Warum ist Hirsch nicht gleich Hirsch?

"Das besten was man(n) tragen kann."

Wir durften der Firma Meindl bei der Lederverarbeitung genau auf die Finger schauen und konnten dabei das eine oder andere Geheimnis lüften. Wir haben die Lederne vom Design, zum Schnitt, weiter zum Modelldruck, über den Zuschnitt und der Produktion bis hin zur Stickerei begleitet. Hier wird besonderer Wert auf Qualität und Details gelegt.  Lederhose_Forstenlechner
Leder gehört zu den ältesten Bekleidungsstoffen und ist ein wesentlicher Bestandteil der Tracht. Die Arbeit mit Leder ist nicht nur ein Handwerk sondern schon fast eine Kunstform. Das wohl bekannteste Lederprodukt in der Tracht ist die Hirschlederne. Kein Kleidungsstück hat so viel Geschichte, hält so lange und wird so gefeiert. Wir haben nachgefragt warum, weshalb, wieso:
Schnitt_Design
TF: Warum muss es eine Hirschlederne sein und worin liegen die Unterschiede?

Meindl: Das ist sehr einfach, das Hirschleder ist deutlich dicker, als das von einem Wildbock (Ziege, Springbock, Antilope) und dadurch langlebiger. Dazu kommt, dass das Hirschleder sämisch gegerbt wird. Das bedeutet, dass der Gerbungsprozess anstatt 5-6 Tage wie bei der Chromgerbung, 5-6 Wochen dauert. Dieses Verfahren ist aufwendiger und verlangt weitaus mehr Erfahrung und Hingabe.  Der wesentliche Vorteil von der Sämischengerbung ist, dass ausschließlich natürliche Produkte verwendet werden und dadurch das Leder atmungsaktiv bleibt. Deshalb kühlt eine Hirschlederne im Sommer und wärmt im Winter.
Meindl_Lederhose
TF: Warum gibt es Hirschlederne um ca. Euro 500,- und dann wieder andere für über Euro 1000,-?

Meindl: Das liegt an zwei wesentlichen Merkmalen. Zum einen werden bei günstigeren Lederhosen teilweise die Hosensäcke und der Bund aus Stoff gefertigt und die Stickerei ausschließlich mit der Maschine produziert. Zum anderen und das ist ganz entscheidend, spalten viele Hersteller ihr Leder. Das heißt, dass sie eine Hirschhaut bis zu zweimal teilen. Dadurch bekommen sie teilweise dreimal so viel Leder aus einer Haut, aber dadurch wird die Lederhose deutlich dünner und kann somit leichter reißen.
Design_Schnitt_Leder
TF: Warum gleicht keine Lederhose der anderen, obwohl sie das gleiche Modell sind?

Meindl: Vorweg muss erwähnt werden, dass Leder ein Naturprodukt ist und nicht vergleichbar ist, zu einem normalen Stoff. Die Unterschiede bei der Lederhose von Farbe, Narben und besondere Merkmale liegen genau hier begraben. Alleine die Färbung ist bei jedem Leder anders. Es kommt darauf an, wann das Tier geschossen wurde. Ein Hirsch der im Winter erlegt wurde, hat eine andere Haut, als einer vom Sommer. Dadurch greift die Farbe ganz anders. Einige Kunden beanstanden, dass die neue Lederhose einen Strich, einen Punkt oder eine dunklere Verfärbung hat. Aber das ist so nicht richtig. Diese Stellen sind Narben und Merkmale, die die Geschichte des jeweiligen Tieres wiederspiegeln. Unsere europäischen Hirsche leben in der freien Wildbahn und bekommen dadurch auch Narben. Jeder Hirsch reibt sich an einem Baum, trägt eine Verletzung von einem Revierkampf davon oder wird von Insekten gestochen. Und genau das, ist das Besondere am Leder – es gibt keine genau gleiche Hirschlederne. Jeder Strich, jeder Punkt und jede Narbe macht die Hirschlederne zu einem ganz individuellen Produkt.

Forstenlechner_Schneiderei

SCHON GEWUSST?

Flecken auf der Ledernen:
– Fettflecken verschwinden von selbst – werden vom Leder aufgesaugt.

Weitere Flecken:
– Als erstes immer Leder gegen Leder. Im trockenen Zustand mit einem Ledertuch versuchen den Fleck wegzureiben.
– Wenn das ist nicht geht, dann mit Wasser und etwas Schmierseife versuchen. Die Seife am Ende nicht
ganz auswaschen und antrocknen lassen. Die Lederhose im leicht feuchten Zustand anziehen und etwas bewegen und dann erst ganz trocknen lassen.

Sämischgerbung:
– Das Fell/Haut wird enthaart mit einem chemischen Prozess.
– Danach wird es geäschert (in eine Kalkmilch eingelegt), für mehrere Tage.
– Dann wird das Wasser entzogen.
– Das Leder wird mit Tran (Fischöl) versetzt und gelagert für einige Wochen.
– Daraufhin wird es noch einmal gewaschen.
– Im Anschluss für ca. 10 Tage aufgehängt.
– Zum Schluss folgt die Färbung (es wird immer die ehemalige Haarseite gefärbt).

euer Trachten Forstenlechner Team.

Zurück
Zur optimalen Darstellung der Website verwenden wir Cookies. In Ihren Browsereinstellungen können Sie die Verwendung von Cookies deaktivieren.OK